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Die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel gab gestern bekannt, dass der nächste “Digitalgipfel” der Bundesregierung im kommenden Jahr in Jena stattfinden solle. Die “Lichtstadt” war entzückt. “Digitalisierungsdezernent Benjamin Koppe [CDU] nahm die Entscheidung ebenfalls mit großer Begeisterung auf.”, heißt es in der knappen Pressemitteilung der Jenaer Stadtverwaltung.

Doch heute wurde von der Bundeskanzlerin zurück gerudert. “Über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden zu diesem wichtigen Gipfel, der sich mit den Möglichkeiten der Digitalisierung für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz beschäftigen soll, erwartet.”, heißt es aus dem Bundeskanzlerinnenamt. Jena wäre ein ausgezeichneter Kongressort, nicht nur wegen der starken Software-Industrie, aber es fehlt an den grundlegenden Faktoren:

So fehlt es an einem Kongresszentrum, das man bereits im Stadion eingerichtet haben wollte, auch das Volkshaus wird umgebaut und steht 2020 nicht zur Verfügung. Das Volksbad ist zu klein und verfügt über keinen nahegelegenen Bahnhof, sondern nur über einen Haltepunkt für Regionalbahnen. Der neue Bürgerservice mit Bibliothek und Kongressmöglichkeiten am Engelplatz wird gerade als Baustelle vorbereitet, und die Sparkassen-Arena darf nicht genutzt werden, weil der Name des Veranstaltungsortes auf keine Firma, Holding oder Ähnliches hinweisen darf und politisch neutral sein muss. “Bei einem Ernst-Abbe-Kongresszentrum oder einem Schillerzentrum gäbe es keine Probleme.” Vor 100 Jahren gab es ähnliche Probleme, Menschen aus den deutschen Ländern zentral zusammen zu bringen. Das heutige Deutsche Nationaltheater bot sich als Tagungsstätte für das erste demokratische Parlament nach dem Ende der Monrachie an – außerdem waren die Weimarinnen und Weimarer durch die internationalen Künstler in ihrer Stadt einiges gewohnt.

“Wie sollen wir den so viele Menschen nach Jena bringen, wenn nicht einmal ein ICE dort hält?”, fragt ein IT-Spezialist, der zugibt, gerne einmal das Flugzeug für die An- und Abreise von Kongressen zu nutzen. “Aber, es gibt noch nicht einmal einen Flughafen in der Nähe. Sollen wir denn mit der Postkutsche, wie damals der Geheimrat Goethe, ins Saaletal geschunkelt werden?” So viel Romantik verträgt sich nicht mit der Digitalisierung.

In Berlin sieht man indes die Absage an Jena gelassen. “Das schönste an Jena ist doch die Autobahn nach Erfurt. Außerdem ist die Stadt sogar Regierungssitz, hat einen Anschluss an das internationale Fernverkehrsnetz und sogar der Papst war auch schon da. Mit seinem Flugzeug.”

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