Mehr Geld für Kinder aus ärmeren Familien, mehr Geld für Schüler und Studenten. Der 1. August ist für viele Menschen mit schmalem Geldbeutel ein Grund zur Freude. Was allerdings unter dem Jubel untergegangen ist: Irgendjemand muss dafür auch mehr bezahlen.

Viele Menschen mit geringem Einkommen bessern ihre Einkünfte mit dem Sammeln von Pfandflaschen auf. Vereine haben daraufhin Lobbyarbeit für die Entkriminalisierung von Menschen, die Pfandflaschen neben die Abfalleimer gestellt haben und solchen, die diese Pfandflaschen oder Pfanddosen eingesammelt haben. Bis vor Kurzem war Beides noch eine Ordnungswidrigkeit, die geahndet werden konnte. Einige Städte und Kommunen haben sozial darauf reagiert und ihre entsprechenden Verordnungen geändert. So heißt es zum Beispiel seit Juli 2017 in der “Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung in der Stadt Jena”: “Die Entnahme von Pfandflaschen oder -dosen aus den Papierkörben ist keine zweckwidrige Benutzung.” Aber, die Ämter wollten nicht länger zuschauen, wie an der Stadt vorbei Geld verdient wurde. Galt es bis vor kurzem noch als Privileg, liegen gelassene Pfandflaschen vom Kommunalservice verwerten zu dürfen, hat sich eine private Konkurrenz fest etabliert: So gelten Stadt(teil)feste, Demonstrationen von Fußballfans oder die Kulturarena in Jena als Festivals für Flaschensammler.

Seit heute, dem 1. August, gilt eine neue Bestimmung in der Gewerbeordnung der Städte und Kommunen: Flaschensammler, die nicht im öffentlichen Auftrag Flaschen oder Pfanddosen sammeln (wie zum Beispiel die Müllentsorgungsunternehmen), müssen ab dem 1. August eine Anmeldung eines entsprechenden Gewerbes vorlegen. Ein Pfandflaschen-Gewerbeschein ist ab sofort in den jeweiligen Gewerbeämtern zu beantragen. In den meisten Kommunen und Gemeinden kann dieses online erledigt werden. Das Ordnungsamt überprüft die Gewerbescheine. So soll es zum Beispiel heute Abend bereits entsprechende Kontrollen bei der Kulturarena geben.